Reisetagebuch Vietnam: Tag 3. & 4. – Mekong Delta

Vermüllte Tempelanlage, Hubba-Bubba-Frucht und Kanutour

Nach einer letzten Nacht im verrückten Airbnb mitten in District 1 von Ho Chi Minh City haben wir uns für zwei Tage in das Abenteuer „Mekong Delta“ begeben.  Am frühen Morgen sind wir von unserem Guide Fa in einem Minibus abgeholt worden und mit zwei weiteren Pärchen Richtung Mekong gefahren. Der Mekong ist der längste Fluss Südostasiens uns zeichnet die südliche Deltaregion Vietnams durch riesige Flusslabyrinthe, Sümpfe und Inseln.

Auf der Fahrt zum ersten Halt unserer Tour, der Stadt My Tho, hat uns Fa sehr viel über das Leben in Vietnam erzählt: über das gigantische Müllproblem, traditionelle vietnamesische Gerichte (wie z.B. Ratten) oder über die immer teurer werdenden Immobilienpreis in Ho Chi Minh. Fa war ein total lieber und super offener Reiseführer und hat uns mit seiner lustigen und freundlichen Art richtig abgeholt  und mit einer Leichtigkeit Transparenz in das Land und die Leute gebracht!

In My Tho haben wir den Vinh Trang Temple besucht, dessen große Anlage Raum für eine Menge wunderschöner Pflanzen bietet. Wenn man allerdings den ein oder anderen Blick hinter die rosa-blühenden Büsche und die imposanten Goldstatuen wagt, stößt man leider auf  nen ganzen Haufen stinkigen Müll. Ob die Müllhalde jetzt durch die zahlreichen Touristen oder durch die Unachtsamkeit der Einheimischen hier entstanden ist…ein bisschen Glanz nimmt es der Gebetsstätte Buddhas sowieso.

 

Nach einer weiteren kürzeren Fahrt haben wir auf einer kleinen Farm verschiedene Früchte probiert und dabei herausgefunden, dass die in Vietnam ziemlich beliebte „Jack-Fruit“ absolut unwirklich nach Hubba-Bubba-Kaugummi schmeckt. Auf ne ziemlich perverse Art geil. Nachdem wir dann mit vietnamesischer Volksmusik beschallt wurden sind, führte uns der Weg weiter auf eine  Honigfarm,  wo wir selbstgemachten Honigtee probieren durften. Bei der wirklich unsäglichen Hitze keine so richtig gute Idee, hat uns die Birne danach noch mehr geraucht.

Das absolute Highlight der Tour ist die Kanufahrt durch einen von Mangroven und Palmen gesäumten Kanal. Das hat sich unwirklich angefühlt, ein bisschen wie im Dschungel inmitten einer wunderschönen, faszinierenden Natur. Ganz wie Mogli hab ich mich dann aber doch nicht gefühlt, war die kleine Wasserstraße doch gut gefüllt mit Fotos knipsenden Touristen und laut quäkenden Tourguides.

IMG_5856.jpeg

Mittag gegessen haben wir dann auf Tortoise Island. Natürlich gab es typisch vietnamesisches Essen und schon bald war mein Bauch gut gefüllt mit  Summer rolls,  Gemüsesuppe, Fisch, Fleisch, Knoblauchbohnen und jeder Menge Reis.  Den Nachmittag haben wir eigentlich nur damit verbracht fasziniert aus dem Fenster unseres Busses zu starren und auf der längeren Fahrt nach Can Tho die sehr grüne aber leider auch sehr vermüllte Deltaregion zu studieren.

In Can Tho angekommen ist dann noch was ziemlich cooles passiert. Obwohl wir eigentlich auf ein kostenpflichtiges Upgrade in ein 4-Sterne Hotel verzichten wollten, sind wir durch einen Buchungsfehler dennoch in einem kleinem Luxusschuppen untergekommen und was soll ich sagen: nicht nur das ultra bequeme Hotelbett und die riesige Regendusche waren eine willkommene Abwechslung zu unserem vorherigen Hochbett und der wilden Baddusche, auch der Rooftop Pool und die Skybar waren, grob gesagt, ziemlich nett.

IMG_5917

 

 

Der Hühnerfuß

Auf Anraten von Fa haben wir es abends dann gewagt im bei Einheimischen ziemlich beliebten Restaurant „Quan la ca“ zu speisen. Nun ja, so langsam wie die Freundschaft zum vietnamesischen Essen auch begonnen hat,  so schnell war sie hier im Quan la ca auch wieder vorbei. Die gefühlte hundert Seiten lange Karte lässt von Fleisch und Reisgerichten bis hin zu Frosch und Würmern keine kleine Spezialität aus. Ziemlich fasziniert hat uns der riesige Topf mit Nudeln und Meeresfrüchten, den unsere Sitznachbaren freudig vor sich hin speisten und kurzerhand befand auch auf unserem Tisch  ein traditioneller „Hot Pot“mit Chicken. Ein bisschen verwirrend wurde es dann, als wir einen riesigen Gemüse-und Blätterberg sowie einen Pott Brühe, rohes Fleisch und Nudeln serviert bekamen.

Leider konnte uns der ausschließlich vietnamesisch sprechende Kellner nicht so richtig klar machen, was genau jetzt wo wie und wann da reinkommt und deswegen stürzten wir uns einfach todesmutig in das Abenteuer Hot Pot und nagten mehr schlecht als recht an den fast nur aus Knochen bestehenden Hühnerstückchen. So richtig zufrieden war ich mit unserer Essenswahl nicht  und spätestens mit dem Fund eines gigantisch aussehenden Hühnerfußes in dem leckeren Süppchen, entschieden wir uns dafür, unseren Bauch nur noch mit Tiger-Bier zu füllen.

4f99e419-74e7-485c-8887-48a5d1ffd526

Besonders amüsant (in Deutschland würde man vermutlich sagen „asozial“) benahmen sich dann auch die immer betrunkener werdenden Einheimischen, die von achtlosem Müll-unter-den-Tisch-werfen bis hin zu lautem Rülpsen und Brüllen einmal die komplette Bandbreite der Klischees über asiatische Esskultur bedienten.

 

Der schwimmende Markt „Cai Rang“

Das war dann wohl die erste Nacht in Vietnam, in der wir so richtig richtig gut geschlafen haben und unsere ziemlich leeren Bäuche am riesigen Hotel-Buffet vollschlagen konnten. Wer schon am frühen Morgen auf Pommes und Chicken Nuggets steht, hat hier wohl seinen persönlichen Himmel gefunden. Fans von einer sanfteren Frühstückskultur, müssen auf Ei und Marmelade ausweichen.

Das zweite große Highlight der Tour war der schwimmende Markt, der „Cai Rang“, den wir gleich nach dem Frühstück mit einem Boot aufgesucht haben. Fa hat uns erklärt, dass wir anders als die meisten Reisetouren so spät zum Markt aufgebrochen sind, dass sich ein Großteil des aufgeregten Treibens schon gelegt hatte. Ich fand das aber überhaupt nicht schlimm, da sich unsere Gruppe so alles ganz entspannt angucken konnte und wir die Händler auch nicht so gestresst haben, die zur Primetime bestimmt Besseres zu tun haben, als Touristen zu belustigen.

Ganz schön praktisch, so ein Floating Market. Immerhin können die Kunden ganz easy per Boot alles aufs Deck werfen, was sie grade so brauchen und sich dabei immer ein frisches Lüftchen um die Nase wehen lassen. Auf dem Markt kann man Massen von Obst und Gemüse kaufen und auch schwimmende Banh Mi Verkäufer bereiten die Brotspezialität ohne mit der Wimper zu zucken einfach auf dem Wasser zu. Auf dem Cai Rang herrscht irgendwie eine ganz besondere Atmosphäre, so eine Mischung aus Hektik und Gelassenheit zugleich.

IMG_5931.jpeg

Ziemlich erstaunlich fand ich auch die vielen Häusschen, die sich an den Ufern tummeln und oft nur von hauchdünn scheinenden Holzstäbchen getragen werden. Hier finden sich Bootswerkstätte, Karaoke-Oasen oder durch Blechhütten bedeckte Räume, in denen riesige Familien zu wohnen scheinen. Viele sehr arme Menschen leben an den Armen des Deltas und es ist manchmal kaum zu ertragen, wie diese wunderschönen kleinen Flecken Erde sich vermischen mit so viel kaum zu fassender Armut.

Auf dem Rückweg haben wir noch einen kleinen Zwischenstopp in einem Dorf eingelegt, dessen Bewohner darauf spezialisiert sind, Ausländern zu zeigen, wie die traditionellen Reisnudeln hergestellt werden. Das war irgendwie schon sehr touristisch und der anschließende kleine Walk über die vielen Fruchtplantagen hat mich um einiges mehr beeindruckt. Diese Natur…mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein, außer dass es hier so paradiesisch ist, dass ich mich am liebsten an einem der Jack-Fruit-Bäume in den Schatten gelegt hätte und nicht mehr aufgestanden wär.

 

Und wie es eben so ist, mit allen schönen Dingen im Leben, hat auch die Mekong-Delta Tour dann ihr Ende gefunden. Nach einem letzten gemeinsamen Essen (bei dem ich übrigens dank des Hühnerfußes nur Reis mit Ketchup essen konnte) mit Fa und den anderen beiden Pärchen , sind wir dann über vier Stunden zurück nach Ho Chi Minh City gefahren. Mit unserem neuen Airbnb im dritten Stock eines Teeladens wartete dann unser nächstes Abenteuer auf uns, aber ich glaube diese Berichte, verschiebe ich lieber auf den nächsten Eintrag!

 

Falls ihr auch vorhabt, nach Vietnam zu fliegen und eine Mekong-Delta Tour zu machen, kann ich euch wirklich eine 2-Tages-Tour ans Herz legen. Viele von Hi Chi Minh ausgehende Touren dauern nur einen Tag, aber ich persönlich fand ja schon zwei enorm kurz, um in die faszinierende Welt des Deltas einzutauchen.

Diese Tour haben wir gebucht:

https://www.getyourguide.de/ho-chi-minh-stadt-l272/mekong-delta-und-schwimmender-markt-cai-rang-2-tagestour-t111085/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s