Reisetagebuch Vietnam: Tag 1. – Ho Chi Minh City: Von Flugangst, Motorrollern und der verzweifelten Suche nach Brot

Vor ungefähr 14 Tagen war ich mit meinem Freund zwei Wochen in Vietnam. Die Idee, dort hinzufliegen, war leider weniger der großen Neugierde auf das Land, als dem Fakt, dass mein Bruder dort nun seit ein paar Wochen arbeitet, zu schulden. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich mich vorher nicht sonderlich mit dem Land oder dessen Kultur auseinandergesetzt. Umso glücklicher bin ich, dass ich es nun doch getan habe und einen Einblick in dieses wunderschöne, so sehr faszinierende und freundliche Land gewonnen habe. Dass ich es nicht schaffen würde,meine Erlebnisse und Eindrücke schon während der Reise selbst auf den Monitor zu bringen, war mir eigentlich von vornherein klar. Dass es jetzt doch so lange gedauert hat, lag hauptsächlich daran, dass ich mir ziemlich unsicher war, wie ich die schriftliche Rekonstruktion dieses Abenteuers handhaben soll. Ich hab mich jetzt doch für die etwas langatmigere Version entschieden, wirklich Schritt für Schritt jeden Tag rückblickend zu beschreiben. Einzelne Themen aus diesem Urlaub herauszugreifen würde meiner Erinnerung und den ganzen Erlebnissen einfach nicht gerecht werden!

 

Flugangst

Angefangen hat diese Reise in den Südosten Asiens mit einer nicht grade unerheblich langen Zeit, die wir eingeklemmt zwischen zwei Sitzen in der Economy Class eines gigantischen Riesenfliegers verbracht haben.

Ich bin absolut kein Fan vom Fliegen. Ein Umstand, der sich mit jeder weiteren Minute Flugzeit nicht grade verbessert.  Ich finde Fliegen einfache eine kleine Art von Perversion. Jedes Mal, wenn ich mir vorstelle, dass ich grade in einer 560 Tonnen schweren Metallkugel tausende von Metern über die Erde fliege und mein Vertrauen in die Hände irgendwelcher physikalischer Gesetze lege, wird mir immer wieder ganz schön mulmig zumute. Dieses Gefühl beginnt meist schon Wochen vor dem eigentlichen Abheben und endet dann  auch erst am Zielort. Ich bin mir absolut im Klaren darüber, dass diese Angst rational völlig unbegründet ist und doch weiß ich, dass es wirklich nur sehr wenige Menschen gibt, die sich so ganz ohne Bauchgrummeln in das leidige Gefühl des Ausgeliefertsein versetzen lassen. Aber ohne Fliegen eben auch keine Weltreisen. Ein bisschen Schwund ist immer…Mir hilft es dann, besonders wenn ich dann schon im Flieger sitze, mich ganz auf das Reiseziel zu konzentrieren, einfach zu schlafen oder zu versuchen, meine Aufmerksamkeit ganz einem der Filme zu widmen, die man so entspannt im Flieger gucken kann.

 

Sim-Karten und Grab-Driver

Heil und ohne größere Zwischenfälle sind wir dann pünktlich um 8 Uhr morgens am Flughafen von Ho Chi Minh City gelandet. Den günstigen Flugpreisen geschuldet, haben wir nicht ganz so optimal einen Tagflug gewählt, der uns durch die Zeitverschiebung eine ganze Nacht geraubt hat. Dementsprechend müde und gerädert standen wir dann auch am Flughafen und wurden erstmal von einer 38° heißen Hitzewelle überrollt.  Direkt am Flughafen haben wir uns für umgerechnet 8 Euro eine SIM-Karte mit 10 GB Internet gekauft und haben uns ein Grab-Taxi bestellt. Grab funktioniert ungefähr genauso wie die Taxi-App Uber und ist in Vietnam wohl die entspannteste Art von A nach B zu kommen. Dadurch, dass sowohl Ankunftsziel wie auch Fahrtpreis von vornherein aufgeführt werden, kann der Grab-Driver keine unverhältnismäßig hohen Preise verlangen und das mühselige Erklären der Destination fällt ebenfalls weg. Englisch können die meisten Taxifahrer in Vietnam nämlich leider nicht.

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Ein obligatorisches „Aus-dem-Flugzeug-Bild“.

 

 

Reizüberflutung und vietnamesischer Straßenverkehr

Die eigentlich nur 10 Kilometer lange Fahrt  zu unserem Appartement im sehr zentral gelegenen District 1 hat dann auch geschlagene 30 Minuten gedauert. Denn der Verkehr in Vietnam ist absolut verrückt. Tausende von Rollerfahrern drängen sich an den wenigen Autos vorbei durch die knallvolle, enge, bunte und sehr laute asiatische Großstadt. Verkehrsregeln werden hier eher als eine Art Orientierungsmöglichkeit verstanden und statt dem Blinker wird hier gerne die Hupe zur Richtungsanzeige verwendet. Dementsprechend hoch ist dann auch der Geräuschpegel auf den Straßen. Meine erste Fahrt durch die Stadt war für mich absolut faszinierend und aufregend. Es gab so unglaublich viel zu sehen: überall saßen Menschen auf kleinen Plastikstühlen an den Straßenrändern unter den mit dicken, schwarzen Stromkabeln versehen Masten. Ein Essensstand reihte sich an den anderen und hintere ihnen fanden sich überall kleine Läden wieder,die von Steckern bis Gartenschläuchen alles verkauften, was man sich nicht vorstellen kann, jemals gebrauchen zu können.

Unser erstes Airbnb erreichten wir, indem wir durch eine Art Rollerverleih in den Hausflur zweier 12-stöckiger Hochhäuser gelangten, die durch breite, offene Fluren miteinander verbunden waren. Neben den vielen kleinen Einzimmerwohnungen sind wir dann direkt auf einen kleinen Kindergarten, ein Brautmodengeschäft und  viele kleine Lädchen gestoßen, die das Haus wie eine ganz eigene kleine Welt erschienen ließen.

Im 8. Stock haben wir dann auch endlich unsere erste kleine Bleibe gefunden, die ebenfalls aus nur einem kleinen Raum bestand, durch die liebevolle Einrichtung aber absolut einladen und gemütlich war.  Für asiatische Städte wohl absolut typisch, mir allerdings ein bisschen suspekt, gestaltete sich dann die Aufteilung des Badezimmers. Die war nämlich einfach nicht existent: Waschbecken, Toilette und Duschen lagen alle vereint in einem kleinen Raum, der Duschen und auf Toilette gehen gleichzeitig problemlos möglich machte.

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Blick vom Hausflur

 

 

Müll, Essen, Räucherstäbchen und die verzweifelte Suche nach Brot

Den ersten Tag haben wir dann damit verbracht, das ganze Gewusel und die Geräusche dieser pulsierenden Ader Vietnams auf uns wirken zu lassen. Ziemlich schnell haben wir gemerkt, dass der Versuch des Überquerens einer Straße zu  einem ganz eigenen kleinen Abenteuer werden kann und die Suche nach Brot für unser Frühstück am nächsten Tag absolut aussichtslos war. In keinem der unzähligen kleinen Supermärkte haben wir auch nur irgendetwas gefunden, was ansatzweise an die Konsistenz von für uns Deutsche so stinknormalen Weizenbrot rankam. Wie auch immer wir also auf die Idee kamen, dass wir das ein oder andere Mal auch selbst Essen zubereiten könnten…diese Illusion wurde uns ziemlich schnell genommen.

Besonders die vielen verschiedenen Gerüche der Essensstände haben meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen, abgewechselt von dem durchdringenden Gestank von Müll und dem verzweifelten Versuch der Anwohner diesen Gestank durch das wahllose Anzünden von Räucherstäbchen irgendwie zu neutralisieren.  Dieser erste Tag war geprägt von einem  absoluten Overload an Reizen.

Abends haben wir uns dann auf den Weg zu meinem Bruder gemacht, der etwas abseits von der pulsierenden Innenstadt in einer Art „gated community“ gewohnt hat. Dieser Teil, auf der anderen Seite des Flusses Saigon stand in einem heftigen Kontrast zur Innenstadt. Hier war alles neu und modern. Die riesigen hochmodernen Hochhäuser hatten Pools und an jeder Ecke gab es schicke, europäische Restaurants.  Als die Kulturbanausen die wir so sind, haben wir den ersten Abend dann auch direkt beim Italiener verbracht. Keine Angst, wir haben uns noch gebessert! 

In dem Haus in dem wir gewohnt haben, gab es übrigens einen Fahrstuhlwärter, dessen einziger Job es war, den ganzen Tag auf das kleine Knöpfchen neben dem Fahrstuhl zu drücken, bis er schließlich um 11 Uhr abends seine letzte Fahrt aufnahm und den Fahrstuhl einfach zugeschlossen hat. 8. Stockwerke laufen macht müde wirklich überhaupt keinen Spaß.

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