Januarblues im Februar

Ich weiß, kreativer könnte der Titel dieses Beitrags wohl nicht ausfallen. Und eigentlich weiß ich auch, dass wir alle genug damit beschäftigt sind, uns wohl oder übel Tag für Tag, Woche für Woche durch diese eklig, nass-grauen Tage zu kämpfen, den wenigen Sonnenstrahlen, die das Betongrau durchflimmern lässt, gierig hinterher hasten, um wenigstes für ein paar Stunden die beinahe gänzlich leeren Serotoninspeicher aufzufüllen.

Die meisten Menschen, die ich bisher kennen lernen durfte, sind dem Winter ähnlich negativ gesinnt wie ich.  Erst ist da der Dezember, der mit seinen leuchtend bunten Lichtern alles in eine festlich, atmosphärische Stimmung taucht und die kalte Jahreszeit mit Glühwein und Keksen doch irgendwie so verheißungsvoll beginnen lässt. Dann kommt Weihnachten: für mich der absolute Höhepunkt einer kontinuierlich und doch sehr sorgsam ausgeführten Fressorgie, die so quasi parallel mit dem Öffnen des ersten Milkaadventskalendertürchens beginnt. Weihnachten ist für mich, im besten Fall natürlich, einfach das absolute Maximum an Gemütlichkeit. So Knall auf Fall kommt dann ja sofort Silvester. Ein neues Jahr beginnt und damit die Illusion, dass das Austauschen zweier Ziffern am Ende einer Zahl bessere Menschen aus uns macht. Abnehmen, Sport, gesund essen. Haha, ich lache. Ein bisschen wehleidig vielleicht.

Spätestens mit dem Kater am Neujahrstag und der dem entgegen steuernden fetten Portion Nudeln mit Käse, flüchtet die Motivation bei mir meist sowieso zu dem Nullpunkt, wo sie lieber hätte bleiben sollen, um mir wenigstens das blöde schlechte Gewissen zu ersparen, was mich dann 364 Tage im Jahr verfolgt.

Und dann beginnt eben der  Januar und damit auch der Januarblues. Und das ist für mich die Zeit im Jahr, auf die ich wirklich gerne verzichten würde. Sofern man nicht grade im tiefsten Bayern wohnt, ist es einfach nur nass, kalt, grau und dunkel. Alles zurecht sehr negativ konnotierte Begriffe, denen ich auch im Februar und März nichts abgewinnen kann.

Ich weiß. Schwarzmalerei bringt natürlich keinen weiter und es macht den Winter auch nicht wärmer, fröhlicher oder weniger deprimierend. Und klar gibt es auch Dinge, die im Winter schön sind. Nach einem ausgiebigen Winterspaziergang mit rosigen Wangen und Tee vor dem Ofen sitzen und „Kevin allein Zuhause“ gucken. (Ok wow, wie lang ich da doch jetzt drüber nachdenken musste.) Auf ne Art ist das schön. Auf ne Art würde ich aber trotzdem lieber nach einem Tag am See abends im Garten bei einem Vino den Sternen im Himmel beim glitzern zugucken und das dann romantisch finden.

Wir können es ja doch nicht ändern. Winter wird Winter bleiben und ein Jahr besteht nun mal aus vier Jahreszeiten. Natürlich kann ich das scheiße finden. Ändern kann ich es eben trotzdem nicht.

Und vielleicht ist es okay, ein bisschen Wintermelancholie in sich zu tragen. Und vielleicht ist die Sache mit dem Winter eben doch so wie mit allen Gegenseiten im Leben, die erst dazu beitragen, dass die eine Sache doch so schön und erstrebenswert scheint. Ohne Winter kein Sommer. Ohne Winter keine Freude auf die bevorstehenden Sommernächte, Tage am See mit Freunde, der Geruch von Holzkohle auf dem billigen Einweggrill, der so unbeschwert verlockend alle kleinen und großen Fragen des Lebens einfach federleicht zur Seite schiebt.

Und vielleicht schreibe ich diesen ganzen Kram hier nur auf, um mich unbewusst-bewusst selbst davon zu überzeugen, dass die ständige Dunkelheit und Kälte doch irgendwie eine Berechtigung besitzen, einen so großen Teil es Jahres einzunehmen.

Und vielleicht komme ich zu dem Schluss, dass ich den Winter doch einfach nur scheiße finde.

 

 

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