Sommer ohne Festival

It’s that time of the year again – Festivalzeit

 

Es ist Hochsommer und damit für viele auch endlich wieder Festivalzeit. Mir ging es eine ganze Zeit lang genauso. Schon mit 15 durfte ich mein erstes richtiges Festival besuchen und entwickelte mich in den Jahren darauf zum leidenschaftlichen Festivalgänger.

Ungefähr fünf Jahre hintereinander  hab ich mich jeden Sommer Ravioliessend auf fremden Campingstühlen oder laut gröllend in einer Menge von Hunderten Feierwütigen wiedergefunden. Festival bedeutete für mich vor allem eins: Freiheit. Fernab von jeglichen Regeln, Normen und Pflichten konnte man in einer Art Parallelgesellschaft ganz ungeniert all die Dinge tun, die man sich im Alltag vielleicht doch eher zweimal überlegt. Ungesundes Essen in sich reinstopfen, Alkohol konsumieren und natürlich mit tausenden Gleichsinnten, vereint durch die Liebe zur Musik, ordentlich abfeiern.

Das hat sich in den letzten Jahren irgendwie geändert. Merklich diistanziert habe ich letzte Woche, durch mein Instagramm scrolltend, die ersten Menschen auf der Fusion um ihr Leben tanzen sehen. Dieses Wochenende ist es aber besonders extrem. Viele meiner Freunde sind auf dem Weg zum Splash! Oder zum Feelfestival und schicken Bilder von ihren vor guter Laune nur so übersprudelnden Partybusse. Eben auf dem Weg zum Einkaufen habe ich ein Mädchen mit ihrem Vater leidenschaftlich darüber diskutieren sehen, wie man die Palette Bier und den riesigen Korb mit allerlei Fressalien am besten in den kleinen Smart quetschen kann, ohne auch nur einen Müsliriegel zurücklassen zu müssen.

Ich bin dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge auf keinem Festival. (Mal ganz abgesehen vom Lunatic, welches natürlich auch ein Festival ist, sich aber doch schwer mit seinen großen Festivalbrüdern-und Schwestern vergleiche lässt. Mal ganz abgesehen davon, dass es direkt bei mir vor der Haustür lag, nur zwei Tage gedauert hat und völlig ohne Zeltplatzkomponente auskommen musste.)

Ich hatte in letzter  irgendwie viel um die Ohren. War beschäftigt meinen Urlaub im Süden sowie mein Praktikum zu organisieren und hab jegliche Festivalplanung völlig außer Acht gelassen. Meine Prioritäten haben sich in den letzten Jahren ganz offensichtlich verändert und es fällt mir wirklich schwer, das nicht auf das blöde Erwachsenwerden zu schieben. Es ist lächerlich, wenn ich mich alt fühle, weil ich hier auf meinem Bett liege und zwei Meter weiter ein sauberes Klo habe und das auch noch hardcore zelebriere bei dem Gedanken an stinkige und überfüllte Dixiklos.

Einerseits bin ich irgendwie froh mich grade in diesen turbulenten Zeit nicht völlig auf einem Festival auspowern zu müssen. Und trotzdem habe  ich dieses fiese Gefühl von Neid auf alle, die die nächsten drei Tage betrunken und glücklich von Konzert zu Konzert über den Zeltplatz hüpfen und vermutlich ne verdammt geile Zeit haben werden.

Mit einem weinendem und einem lachenden Auge werde ich in den nächsten Tagen den Berichten meiner Freunde folgen, In einem sauberen und kuscheligem Bett. Ganz ohne ständige Lärmkulisse.

Ich wünsche natürlich trotzdem jedem Spaß, der dieses oder ein anderes Wochenende auf ein Festival fährt und ich fühle mit allen mit, die die Festivalplanung irgendwie aus ihrer Prioritätenliste gelöscht haben. Ich versuche das Positive daraus zu ziehen, den anderen ihren Spaß zu gönnen und fange dann jetzt schon einmal an, ordentlich für ein gutes Festival nächstes Jahr zu sparen.

Denn dann möchte ich auf jeden Fall wieder dabei sein!

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