Wanderlust – Gründe, die gegen das Fernweh nach dem Auslandsjahr sprechen

“Traveling is like flirting with life. It’s like saying, ‚I would stay and love you, but I have to go; this is my station.”

Lisa St. Aubin de Terán

 

 

Fernweh nach dem Ausland

Da ist es wieder. Dieses komische Gefühl im Bauch. Dieser kleine packende Schmerz, der sich unter deiner Brust wölbt und irgendwie darauf wartet befreit zu werden. Ein kleines Tränchen kullert deine Wange herunter, bevor du sie beschämt weg wischen kannst. ‚Total albern‘, denkst du dir im nächsten Moment und  ‚kannst du dich nicht mal zusammen reißen?!‘.

Und trotzdem passiert dir das wirklich immer, wenn du die Bilder in deinem Handy durchscrollst und versehentlich bei einer schönen Auslandserinnerung hängen bleibst. Oder wenn du beim Zappen durchs Fernsehen eine schöne Landschaftsaufnahme erwischst und du die Weiten ohne nachzudenken sofort zuordnen und mit persönlichem Leben befüllen kannst.

Das ist das Gefühl von Fernweh. Unweigerlich verbunden mit dem Gefühl von Wanderlust. Es sind Erinnerungen, an ein vermeintlich besseres Leben in einem vermeintlich besseren Land. Ich kenne das Gefühl nur zu gut.

Ich hatte auch die unglaubliche Chance mein Köfferchen packen zu dürfen, um mit dem Flieger in die große weite Welt zu düsen. Ich hab ganz unglaubliche Erfahrungen gemacht. Immer der Sonne hinterher. So viel Schönes gesehen, Schönes erlebt. Monatelang auf diese Momente hingearbeitet. Und dann hat es einfach Zack gemacht. Einfach so. Und ich stand da wieder am Flughafen. Einen Koffer voller Erinnerungen neben mir und ein Kopf voller Geschichten, die nur darauf warteten, befreit zu werden. Und dann schleicht es sich an: das Fernweh. In manchen Momenten hat es dich voll im Griff und dirigiert deine Gedanken. Aber ganz ehrlich? Das geht auch ne deutliche Tour sanfter. Wenn du die folgenden 5. Aspekte betrachtest, ist das Fernweh bestimmt nicht mehr so schlimm.

 

5 Aspekte, die Fernweh leichter machen 

 

  1. Urlaub auf Takatukaland

Wir müssen anfangen uns klar zu machen, dass so ein Auslandsjahr meistens leider überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat. Egal ob wir kleinen Kindern in Afrika den Popo abwischen, Schildkröten aus dem indischen Strand buddeln oder Müll aus Ghana fischen. Die gewählten Aufgaben sind irgendwie immer ein bisschen spannend und spektakulär, geben uns das Gefühl etwas Großartiges zu leisten…und haben in den meisten Fällen leider überhaupt nichts mit der Realität zu tun. Schließlich sind wir Volunteers oder Backpacker oder was auch immer und werden mit Aufgaben beschäftigt, die man auch „ungelernt“ ganz einfach verrichten kann. Dazu kommt die herrliche Landschaft, die sowieso irgendwie überall schöner scheint, als im tristen Deutschland, das nicht mal ein vernünftiges Meer, sondern nur zwei lasche „Seen“, vorzuweisen hat. Unglaublich! Da lässt es sich doppelt so gut leben, tausende von Kilometern weg von den nervigen Eltern, jeglichen haushaltlichen Pflichten und dem ganzen Drama mit Freunden und Bekannten, welches das blöde Erwachsenwerden eben so mit sich bringt. Angekommen im selbst erkorenen Takatukaland fühlt sich das Ganze natürlich an wie das Paradies auf Erden. Jetzt beamt euch mal gedanklich eure Freunde, Verwandte, Pflichten, Aufgaben und Probleme hinzu. No words needed.

 

  1. Den Blick für das Schöne

Ja, Kapstadt ist wunderschön. Australien mag unglaubliche Natur haben. Neuseeland ist bestimmt auch ziemlich dufte und die brasilianischen Wasserfälle sollte jeder unbedingt mal gesehen haben! Ich weiß, dass diese Orte so viele wunderschöne Plätze besitzen, die es alle wert wären, gesehen zu werden. Ich weiß, dass es ein ganz anderes Gefühl ist, jeden Morgen von der Sonne geweckt zu werden, die dich den ganzen Tag mit Vitamin D versorgt und ich weiß, wie toll es ist, die großen Weiten des Ozeans vor Nase zu haben und den Duft der Freiheit zu vernehmen. Deutschland wirkt plötzlich so trist und dunkel und da sind so viele Gebäude und so komische Grünflächen, auf denen aber gar keine Giraffen herumspazieren und überhaupt, wo sind denn die Savannen und Steppen und Elefanten? Schön ist, was wir als schön erachten. Macht die Augen auf. Seht den Bach bei euch um die Ecke, den wunderschönen Park hinter der Brücke oder die geheimnisvolle Ruine dahinten. Macht die Augen auf und erkundet eure Stadt. Es gibt bestimmt viele schöne Ecken, die euch durch die fortwährenden Gedanken an das Unbekannte Schöne verwert bleiben!

 

  1. Fernweh ist der soziale Beziehungskiller Nr. 1 

Nach den anfänglichen Freuden deine Lieben wieder zu sehen, wird deine Miene von Tag zu Tag düsterer. Ständig heulst du alle voll, wie sehr du das Ausland vermisst und wie scheiße alles in Deutschland ist. Glaubt mir, ich war nicht anders. Ich hab meine Freunde zur Weißglut getrieben, konnte kaum Gutes aus irgendwas ziehen. Hab ständig alles mit Kapstadt verglichen und bin dabei manchmal wirklich auf den Gefühlen meiner Mitmenschen spaziert, gefangen in meinem Ego-Auslandswahn. Ihr tut euch und euren Mitmenschen damit wirklich absolut keinen Gefallen. Aus anfänglichem Verständnis eurer Freunde wird schnell stilles Genervtsein und während ihr im Kopf immer noch irgendwo im Outback rumhängt, haben eure Freunde schon tausend spannende Dinge ohne euch erlebt.

 

  1. Dankbarkeit für alle großartigen Erfahrungen 

Das was jetzt kommt ist der absolute Mutti-Standardsatz, was ihn aber deswegen nicht weniger wahr macht: Seid dankbar!  In ein weit entferntes Land zu reisen ist für sehr viele Menschen ein absolutes Privileg, welches sich wirklich nicht jeder leisten kann. Es scheint so eine Selbstverständlichkeit heutzutage, dass man eine Schule in den USA besucht hat, mal in Thailand auf einer Full-Moon Party gewesen ist oder schon eine Safari erlebt hat. Das ist es aber absolut nicht. Denn solche Auslandserfahrungen sind immer mit einer Menge Geld verbunden, welches sich die meisten nicht einfach mal so aus dem Ärmel schütteln können. Von daher, genießt es, wenn ihr die Möglichkeit habt, etwas von der Welt zu sehen und denkt immer daran, dass viele diese Möglichkeit nicht haben.

 

  1. Nach der Reise ist vor der Reise 

Nach der Reise ist vor der Reise. Diese Welt hat mehr zu bieten, als man in einem einzigen Menschenleben überhaupt erleben kann. Ein Abschied von einem Land ist traurig, bedeutet aber auch immer die Möglichkeit einem neuem wunderschönen Land „Hallo“ zu sagen. Immerhin bedeutet jede neue Reise wieder neue Reisevorbereitungen, Planung und die damit einhergehende Vorfreude, die ja auch irgendwie zum großen Abenteuer dazugehört.

 

Ich habe ziemlich lange gebraucht, um all diese Dinge realisieren zu können. Aber hätte mir damals (Damals vor 2 Jahren :D) jemand diese Fakten so knallhart serviert, wäre wahrscheinlich Einiges einfacher gewesen und ich hätte mein Fernweh vielleicht ein bisschen schneller überwunden!

 

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