Die Sache mit den Haustieren

Eine kleine Anekdote aus meinem Leben

Haustiere sind was unglaubliches Tolles. Fast jedes Kind wünscht sich eins zu besitzen und auch ich wurde von diesem tiefen inneren Drang mit etwas kleinem Flauschigen kuscheln zu wollen nicht verschont. Da mein kleines Kindergehirn natürlich nur von A bis B denken konnte, verstand ich unter dem Besitz eines Haustieres den Erwerb eines kleinen, tierischen Kumpels verbunden mit stundenlangem Streichen und Kuscheln.

Als ich so ungefähr 6 Jahre alt war, war es dann endlich so weit. Gleich zwei kleine Meerschweinchen konnten den Käfig mit dem sich darin befindenden Holzhäuschen ihr eigen nennen. Ich war stolz wie Bolle.  Dass Meerschweinchen nicht grade die kommunikativsten Tiere sind und außer Fressen und Schlafen nicht grade vor Aktivität strotzen, war mir zu dem Zeitpunkt irgendwie nicht besonders bewusst. Da ich einen 6 Jahre älteren Bruder habe, teilten wir uns das (Um-)Sorgerecht für die kleinen Schweinchen und standen gleichermaßen in der Fütterungs-und Ausmistungspflicht.

Elvis und Kurtchen hießen die beiden Racker und waren Brüder auf Lebenszeit. Warum Lebenszeit hier doch ziemlich ernst genommen werden sollte, erfahrt ihr dann auch gleich. Elvis war braun-schwarz und trug, gleich seines berühmten Namensvetter, eine kleine Tolle auf dem Kopf, wohingegen Kurtchen ganz flauschig hellbraun war und seinen Namen allein der Knuffigkeitshalber erhalten hatte.

Anfangs hatten wir wirklich Spaß mit den beiden, kuschelten und schmusten sie, so oft es nur ging. Das wohlige Gefühl gestreichelt zu werden löste zumindest in Elvis immer den unaufhaltbaren Drang aus pinkeln zu müssen und schon bald war das auf den Schoß nehmen ohne Handtuch nicht mehr möglich. Das hat mich irgendwie genervt. Noch mehr genervt hatte mich allerdings das wöchentliche Stallausmisten, was mit unangenehmen Gerüchen und einer Menge Arbeit verbunden war. Plötzlich fühlten sich weder mein Bruder noch ich sonderlich verpflichtet für die beiden und die Pflege der Tiere blieb oft an der Person hängen, die eigentlich überhaupt keine Haustiere haben wollte: Meiner Mutter. Im Laufe der Zeit wurde selbst das tägliche Fernsehprogramm interessanter als die beiden Haustierchen und die seltenen Momente, in denen ich mit Freunden versuchte einem der beiden ein kleines Kunststückchen beizubringen, blieben aufgrund der Tatsache, dass das Gehirn eines Meerschweinchens ungefähr so groß ist, wie eine Erbse, natürlich erfolglos.

Ich weiß, dass dieser Beitrag nicht grade rühmlich für Kleinalex erscheint, aber ich glaube, dass es ziemlich normal ist, dass das Interesse grade für weniger aktive und dem Menschen nicht so nahestehenden Tieren wie Meerschweinchen bei Kindern oft sinkt. Erst will man unbedingt ein Tier und dann wird es langweilig. Da ist es natürlich praktisch, dass sich Meerschweinchen eher mit sich selbst beschäftigen und sie, solange sie ihre tägliche Ration Salat bekommen, sowieso kein Wässerchen trügen können. Ich hatte die beiden natürlich trotzdem immer lieb und wollte sie trotz des sinkenden Interesses nicht missen.

Was jetzt kommt klingt absolut verrückt und ich kann mir bis heute nicht erklären, wie es zu diesem sonderbaren Vorfall kam. Aber Kurtchen beging mit ungefähr 2 Jahren sowas wie Selbstmord. Das ist kein Witz und auch wenn das Ganze selbst bei mir eher ein verwirrtes Stirnrunzeln auslöst, wunder ich mich bis heute darüber, wie das Ganze so passieren konnte.

Kurtchen ist einfach direkt gegen diesen Trinkbehälter, den alle Nagetiere am Käfiggitter hängen haben, frontal dagegen gerammelt. Er hat sich das Ding tatsächlich in den Hals gerammt und ist in Folge dessen auch gestorben. Das war, wie ihr euch denken könnt, ein ziemlicher Schock für uns alle. Bis heute kann ich mir nicht so recht erklären, wie und warum zur Hölle er das getan hat, aber ich tue mich ziemlich schwer das Ganze als reinen Unfall abzustempeln.

Wie auch immer: Elvis hatte seinen Bruder verloren und damit irgendwie auch seine Lebensenergie. Im Sommer desselben Jahres flogen wir nach Griechenland in den Urlaub und gaben Elvis derweil in eine Haustierpension zur Pflege. Dort verschlechterte sich sein Zustand urplötzlich und er wurde ziemlich heftig krank. Mit Antibiotika vollgestopft nahmen wir ihn nach unserem Urlaub entgegen und weniger Wochen später starb auch er. Da Meerschweinchen nun eben Rudeltiere sind, bekam Elvis das Alleinsein wohl nicht und ohne seinen Bruder wollte der Kleine nicht mehr leben.

Das Thema Haustiere hatte augenscheinlich irgendwie ein ziemlich tragisches Ende genommen und in den darauffolgenden Jahren verspürte ich auch wenig Lust die beiden auf auch nur irgendeine Weise ersetzen zu müssen.

Der Wunsch nach einem tierischen besten Freund hat sich dennoch irgendwie hartnäckig in meinem kleinen Köpfchen gehalten und so schaffte ich es nach ungefähr einer Millionen Überredungsversuchen meine Eltern von der Anschaffung einer Katze zu überzeugen. Meinen Vater, der selbst mal überzeugter Besitzer einer Katze war, nutze ich dabei geschickt für meine Pro-Katzen Kampagne und so geschah es, dass der Kater Linus Einzug im Hause fand. Auf Linus aufmerksam geworden waren wir durch eine Annonce in der Zeitung und so kam es, dass wir den stolzen Kater mit Katzenreisekorb bewaffnet bei seiner ehemaligen Besitzerin abholten. Linus war schon ungefähr 1 Jahr alt und dass es natürlich auch beträchtliche Gründe für seine Abgabe geben musste, blendeten wir zu dem Zeitpunkt ganz gediegen aus.

Linus hatte weißes Fell und ein paar schwarze Pünktchen und war im wahrsten Sinne des Wortes ein absoluter Pflegefall. Stubenreinheit schien ihm trotz seines fortgeschrittenen Alters irgendwie ein Fremdwort zu sein und auch sonst machte er den Eindruck eines unbelehrbaren Kleinkinds. Regelmäßig waren wir also damit beschäftigt seine Hinterlassenschaften wegzuwischen und ihm mit allen Mitteln grundlegende Regeln des Zusammenlebens von Mensch und Tier beizubringen und ihm eindringlich zu erläutern, dass es selten eine gute Idee ist, in der Fechttasche meines Bruders diverse Geschäfte zu erledigen.

Dennoch fand ich in Linus das, was ich mir doch all die Jahre gewünscht hatte. Einen tierischen Freund. Morgens wurde ich durch das feuchte Gefühl einer Katzenzunge auf meiner Nase geweckt und wenn ich von der Schule kam, begrüßte mich der Kater herzlich mit einem lauten Schnurren und folgte mir brav zum Sofa, wo ich meistens mein Mittagessen vor dem Fernseher einnahm. Ich schmiss ihm meine leeren Joghurtbecher vor die Nase und voller Dankbarkeit leckte er ihn anschließend aus und legte sich dann zufrieden auf meinen Schoss. Ihr merkt, das klingt nach dem Beginn einer kleinen Lovestory, wenn da nicht das blöde Schicksal gewesen wäre, dass mir den Genuss dieser Lovestory absolut nicht gönnen wollte.

Schon ein paar Monate nach Linus Ankunft entwickelte mein Vater ganz plötzlich eine Katzenallergie. Was sich anfangs harmlos durch Husten und Schnupfen bemerkbar machte, entwickelte sich schnell zu immenser Atemnot, die mein Vater in Anwesenheit des Katers verspürte. Wir haben wirklich alles versucht, Linus sein Zuhause nicht wieder wegnehmen zu müssen. Es wurde täglich gesaugt, Katzenhaare beseitigt und Linus mit einem Anti-Allergie-Spray vollgetupft. Aber nichts davon zeigte auch nur irgendeine Wirkung und bald standen wir vor der unausweichlichen Entscheidung die Katze wegzugeben. Das hat mein kleines Herz wirklich gebrochen, hatte ich doch endlich das ersehnte Tierglück gefunden.  Auch der Rest meiner Familie tat sich mit der Entscheidung wirklich schwer, aber dass wir uns gegen das Tier und für meinen Vater entscheiden würden, stand natürlich außer Frage.

Also gaben wir Linus nach einem halben Jahr wieder ab und damit endet die Haustierstory dann auch ziemlich abrupt und traurig.. Danach hatte keiner aus meiner Familie noch sonderlich Lust, sich wieder an ein neues Tier zu gewöhnen, nur um es nach so kurzer Zeit dann doch wieder verlieren zu müssen. Irgendwie hatte es wohl einfach nicht sein sollen mit den Haustieren.

Nichtsdestotrotz war ich ein ziemlich glückliches Kind und hab auch ohne Haustiere eine Menge Spaß und Freuden gehabt. Einprägsam war das Ganze trotzdem irgendwie!

 

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